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Reaktion zum TAZ – Artikel : Verlger in die Fresse vom 25.01.2009 von der Schriftstellerin Jagoda Marinic

Haut Euch schwer - 26.01.2009
Der ewige Kampf zwischen Autoren, Lektoren und Verlegern

Woran es liegt, dass der eine Schriftschaffende dem anderen Schriftschaffenden gerne einmal in die Fresse hauen würde, geht die Autorin Jagoda Marinic in einem lesenswerten Artikel der TAZ auf die Spur.
 - Verleger halten Autoren klein und abhängig, Übersetzer fordern mehr Lohn für die von Ihnen übersetzten Werke, die nicht ihr geistiges Eigentum sind, Lektoren mischen sich in Dinge ein, zu denen sie keinen Bezug haben und eigendlich wird es mal höchste Zeit, das alle miteinander übereinander herfallen und sich so richtig in die Fresse hauen?
Eigendlich sollte hier ein Aufruf des Friedens folgen, denn wer mal eins auf die Fresse bekommen hat, der weis wie furchtbar weh das tut – doch dann, dann kommen auch in mir gewisse Agressionen zu Tage, wenn ich an die Manuskripte denke, die nach Jahren immernoch unveröffentlicht in einer Schublade liegen, obwohl sich die Besten meiner Werke darunter befinden. Schuld daran sind die Großgeschriebenen Verlagsvorgaben, eben dieser Verleger, die Angst vor neuen Denkansätzen und unkonventionellen Sichtweisen haben. Ebenso Mitschuld tragen natürlich auch diverse Lektoren, obwohl ihnen manch eines meiner unveröffentlichten Bücher sehr gut gefiel, was Sie mit einem Extraschreiben und dem Mut, mein Buch durch verschiedene Konferenzen zu boxen, belohnten. Doch am Ende vieler dieser Verlagszeremonien landete mein tolles Werk dann doch in eben dieser Schublade – trotz des Lobes von Lektoraten und ernstzunehmenden Kritikern.
Genau an dieser Stelle komme ich zu einem Punkt, den sich auch Jagoda Marinic nicht erklären konnte: Warum in aller Welt lassen sich Autoren das gefallen?
Warum stehen Sie nicht für offenere Vorgaben, höhere Honorare und mehr Mut zur Veröffentlichung ein? Anstatt etwas zu bewegen, sitzt der Autor in seiner Kammer und schreibt sich weiterhin den Frust der Enteuschungen vom Leib. 
Zum einen gibt es natürlich die unzähligen Autoren, die maximal drei Manuskripte in ihrem übersehenen Leben versendeten und nach der fünfundvierzigten Absage Papier Papier sein ließen und sich wieder dem Taxifahren zuwendeten. Zum anderen sind da die Ängste, dass die sensible Verlagswelt dem ein oder anderen Autoren die Kritik übel nehmen könnte – da hält er doch, beim Betrachten seines Kontoauszugs, lieber den Mund. Und dann kommen wir zum Wichtigsten Punkt. (Hierbei gehen wir mal von Autoren aus, die wirklich das Zeug zur Veröffentlichung mitbringen - wo die Verlage einzig die Schuld an der Nichtveröffentlichung tragen):

Durch seine Kritik an den Verlagen fürchtet der Autor die Publizierung seines größten Problems: Er bekommt seine Manuskripte nicht verkauft!

Und das ist ihm peinlich.

Das ist natürlich ein Problem. Doch keine Schande in einem Geschäft, wo Verleger lieber auf der sicheren Schiene des Profits fahren, anstatt mutig Autoren zu veröffentlichen, die nicht wirklich in das Eckige und Abgedroschene, jedoch gut vermarktbare Buchhandlungsregal passen. Verleger und Lektoren sind also oftmals konservative Feiglinge (Ausnahmen bestätigen die Regel) – und Feiglingen haut man ja nicht in die Fresse ...
Der durch Statistiken gesicherte Umsatz bestimmt den Büchermarkt und nicht die Kreativität und die Erlebnisse und Erfahrungen junger Autoren und Querdenker. Desshalb kann ich nur sagen: Autoren wert Euch! Steht auf und tretet vor die Türen der Verlage und macht denen mal klar, dass sie ohne Eure geistigen Ergüsse garnichts sind. Zehn Prozent des Ladenpreises sind ein Witz! Wer hat all die Bücher erlebt und durchlitten, gefeiert und bereut? Wer sitzt da – ganze Nächte und dunkle Stunden mit der Vorahnung, das irgend so ein dahergelaufener Lektor, der vielleicht garnicht objektiv über den geistigen Wert des Manuskripts entscheiden kann, das alles vernichtende Urteil fällt?
Und dann sind da auch noch jene Autoren, die ein interlektuelles Hausfrauendasein beschreiben und sich mit kleinkarierten Kravattenmustern schmücken, belanglose Gedankengänge auskotzten und sich auf den Bühnen der Literatur-Talkshows bis in alle Ewigkeiten vor Leuten blamieren, die leider keiner nach ihrer Meinung fragt. Jedes Jahr zur Frankfuter Buchmesse biegen sich mir die Zehennägel um dreihundertsechzig Grad, wenn sie mal wieder ans Tageslicht treten. Die Art von Autoren, die es merkwürdigerweise immerwieder schaffen, Verleger und Lektoren zu bezirtzen, obwohl sie besser einen anderen Beruf egriffen hätten. Aber so ist das. Viele Meinungen, viele Bücher, viele Gewinner und Verlierer, und ein Haufen Idealisten, die irgendwo dazwischenklemmen und nicht gefragt werden. Seih's drum – wenn's Euch hilft dann: Haut euch schwer ...

 Tim von Lindenau

 


 


Das Geheimnis der Trolle

   
Was verbirgt die riesige und mächtige Kreatur aus alten Sagen?
Mal treten sie als glatzköpfige Hohlhirne auf die Leinwände der Kinos, mal tauchen sie in mystischen Märchen als wuschelige Waldbewohner auf. Mit einer Keule bewaffnet, räumen sie ganze Heerscharen mit einem Schlag vom Schlachtfeld, was mit dem lateinischen Verbum trollere in Verbindung gebracht werden kann, denn dieser Übersetzung nach, räumt er alles aus dem Weg.
Auch bei den Griechen taucht der Begriff trollo (trollonis, f. / τρολλειν) auf, was so viel heißt wie: wahnsinnig toben. Im Großen und Ganzen kommt diese geheimnisvolle Kreatur, etymologisch gesehen, nicht allzu gut weg. Der Begriff Troll weist bei den meisten Übersetzungsmöglichkeiten auf Schlechtes hin. Da steht er für einen Unhold, wird als boshaft beschimpft, als hämisch oder schlimm.
Man bringt den Troll in verschiedenen Varianten auch mit Zauberei in Verbindung. Das Wort trolle bedeutet zaubern oder trolsk steht für bezaubernd. Wie dem auch sei – den Namen hat der Troll bestimmt vom Menschen und so kann man durch den höchstens auf eine Deutung spekulieren, die in einer anderen Sprache oft ganz schnell ihren Sinn verliert.
Trolle halten sich vorwiegend im Dunkeln auf, so sagt man. Nun das ließe sich erklären, denn immerhin sind sie sehr groß und wer so groß ist, der verbraucht eine Menge Energie. Was hat das nun mit der Dunkelheit zu tun? Ganz einfach. Sehr große Lebewesen sind meist träge – schon allein wegen ihrer Masse die sie mit sich herumschleppen. Energiesparen ist da angesagt - wer langsam macht, kommt weiter. Nicht zu unterschätzen ist der größte Feind aller Lebewesen, die keine Schuhe tragen: Der Mensch. Und der Mensch ist schnell! Schon allein wegen ihm lohnt es sich, die Dunkelheit zum Freund zu haben. Sagen nach, verlieren Trolle am Tage ihr Leben – kein Wunder. Wenn sie einer Horde mit Speeren bewaffneter Krieger begegnen, erklärt sich auch, warum man ihnen nachsagt, sie würden wie wild toben und um sich schlagen. Was bliebe ihnen auch sonst übrig?
Nun denn. Sie lebten im Dunkeln, sie waren wahrscheinlich träge, aber Stopp! Wenn es im frühen Mittelalter tatsächlich Trolle gegeben hat, dann gab es wahrscheinlich nicht viele. Denn sonst hätten unsere fleißigen Archäologen ja längst ihre Knochen zu Tage getragen. Sprich: Vielleicht lebten sie prinzipiell sehr gerne am Tage. Nur waren die letzten ihrer Art vielleicht einfach gezwungen sich zu verstecken, um den Menschen nicht in die Hände zu fallen. Also korrigieren wir: Sie waren träge. Das ist noch nicht sehr viel, aber schauen wir doch mal, was sie sonst noch so bereit hielten: Trolle haben Schwänze! Das ist gar nicht schlecht, denn dadurch unterscheiden sie sich schon mal vom Menschen.
Trolle sind sogar den Indianern bekannt gewesen. Ja, kaum zu glauben, nicht nur in europäischen Burgverliesen und Höhlen waren sie zu Hause, auch in Amerika lebt der Mythos vom trägen Riesen. Jedoch hat man auch dort noch keinen aus dem Staub gekratzt. Das mit der Keule lassen wir mal zur Seite. Vielleicht war das ein praktisches Spiel- oder Werkzeug, vielleicht haben Menschen es ihm in die Pranke gedrückt und gesagt: „Auf „Los“ haust du zu!“
Sie haben also eventuell ein Fell, Trägheit, enorme Körpergröße, einen Schwanz und einen Haufen „Rittergarn“: wie etwa bis zu neun Schwänze, bis zu drei Köpfe, manchmal nur ein Auge – was allerdings auch auf manche Menschen zutreffen kann – ach ja! Dämlich. Na ja, woher diese Aussage auch immer stammt, hält sich der Mensch ja immerzu für besonders schlau.
Also, die fleißigen Archäologen müssten ja Trolle ausgegraben haben, wenn es welche gegeben hätte. Aber die sagen: „Trolle? ... So’n Stuss!“ Also gab es sie gar nicht, oder aber die Archäologen haben sie zwar ausgegraben, aber nicht als solche erkannt. Nun, auch das wäre nicht ungewöhnlich, denn nicht alles was man ausgräbt, gibt auf den ersten Blick alle Geheimnisse preis. Und bekanntlich glauben ja nicht nur Archäologen nicht an Trolle oder der Gleichen. Was vielleicht auch besser ist, sonst würde meine Geschichte ja von niemandem gelesen werden.
Also gehen wir mal davon aus, es hätte Trolle gegeben. Dann müssen wir nur mal einen Blick in die Schubläden der Paläontologen werfen. Worauf warten wir noch, ab ins Museum, runter in den Keller und... Ah - ja! Hab ich’s mir doch gedacht. Da haben wir ihn ja:
Megatherium Cuvieri. Auch bekannt als Riesenfaultier!
Spinner! Hör' ich da manche rufen. Aber was wollt ihr denn? Es ist sehr groß, träge, haarig und hat einen Schwanz! Und das Beste kommt ja noch: jüngste Ausgrabungen auf den karibischen Inseln Hispaniola und Kuba haben ergeben, dass die letzten Riesenfaultiere im Jahre 1550 von europäischen Eroberern getötet wurden. Ist das etwa nicht das Mittelalter? Und ermöglicht das nicht den Gedanken, dass unsere fleißigen Archäologen vielleicht noch woanders Trollknochen aus dem Staub kratzen werden? Bis vor kurzem hätte jeder Paläontologe noch seinen Allerwertesten darauf verwettet, dass Megatherium Cuvieri vor 8000 Jahren spätestens ausgestorben sei! Und dass der jetzt auch noch für die Trolle herhalten soll... die Reaktion können wir uns ja ausmalen.
Aber lassen wir uns nicht beirren, die letzten ihrer Art haben es wohl irgendwie in die Karibik geschafft um dort ihren wohl verdienten Ruhestand nach den Jahrhunderte langen Strapazen des Mittelalters zu verbringen. Nun, hauptsächlich lebten sie in Südamerika, nachgewiesen ist aber, dass sie auch in Europa anzutreffen waren. Bis zu sechs Meter wurden sie groß! Sie ernährten sich meist von Blättern, lehnten aber auch ein Stück Fleisch nicht ab. Welches Lebewesen hätte eine bessere Voraussetzung mit sich gebracht, dem Mythos der Trolle Zunder zu geben? Kein Tier hat mehr Ähnlichkeit mit unseren keulenschwingenden Freunden wie das Riesenfaultier und aufgewachsen unter Menschen, den Willen gebrochen, eignet es sich hervorragend als großer und starker Verbündeter im Schlachtgetümmel. Übrigens, das wahre „Mittelalter“ der Mythologien und Fabelwesen - der Ursprung allen Glaubens an Wunderliches - war zu einer Zeit, wo es das Riesenfaultier nachweislich noch gab! Das hat nur noch keiner bemerkt, aber dazu ein anderes Mal...
Auch wildlebend in den tiefen der Wälder sorgt der Troll für Aufsehen bei Wanderern. Die Norweger jedenfalls behaupten, sie hätten die Trolle im Wald. Und im ewigen Eis, wo er sich auch heute durchaus noch wohlfühlen würde, hat er bestimmt eine große Freude daran dem Messner, Reinhold den Kopf zu verdrehen. Mit weißer Fellweste versteht sich!


Tim von Lindenau


 
Tim von Lindenau's Asgard Hypothese
die Entdeckung der Heimstätte der germanischen Götter


Grafik: andwarafos/kreativwerkstatt
 


Meine Paten-Toten ('07)

Grabpatenschaften auf dem Freiburger Hauptfriedhof

Was ist denn nun das?“, mag sich mancher fragen, „Grabpate?“ Das dachte ich auch, als ich mit dem Technischen Leiter des Freiburger Hauptfriedhofs durch die Gräberreihen schlenderte. Eigentlich arbeitete ich an einem ganz anderen Artikel und nun erfuhr ich nebenher von einer merkwürdigen Sache. Der Friedhof vergibt Patenschaften für alte Gräber, um die sich seit langem niemand mehr kümmert, die aber wegen ihrer schönen und alten Steine zu schade zum Einäschern sind. Das ist ja toll, dachte ich im ersten Moment. Da kann ich gleich mitmachen und so ein schönes, altes Grab vor dem Verfall retten. Ich bekam dann von der Verwaltung eine CD-Rom, und auf der konnte ich mir dann gemütlich daheim ein Grab aussuchen. Komischer Gedanke. Ich such’ mir ein Grab aus – erster Schreck! Da liegt auch noch wer begraben – zweiter Zweifel. Und da tat sich mir ein bisher unbekannter Gedanke auf, der mich zum lächeln brachte. Da liegen sie nun seit achtzig Jahren in ihrer Grabstätte, ruhen sozusagen in Frieden. Schon lang ist es her, als der letzte Verwandte kam, um ein paar Blumen zu pflanzen und nach dem Rechten zu sehen oder sogar zu fragen. Mensch, dachte ich, die müssen sich ja freuen, wenn da plötzlich einer steht mit Schaufel und Hacke, Blumen und Kerzen und sagt: „Hallo, ich bin der Tim. Ich kümmere mich jetzt um euch. Natürlich nur, wenn’s recht ist.“ Der Gedanke gefiel mir. Meine Paten-Toten.
Wer sich auch für so eine Patenschaft interessiert, kann sich einfach an die Friedhofsverwaltung in Freiburg wenden. So manches Grab und vor allem so mancher Toter freut sich da über frisches Grün und vielleicht auch über eine Begegnung zwischen der Welt der Toten und der Lebenden. Nach langer Zeit des Schotterbodens wird dieses Frühjahr auf einem weiteren Grab wieder etwas blühen. Wer weiß, was man sich gegenseitig alles geben kann.

Tim von Lindenau


Foto: Tim von Lindenau
 


Verborgenes Freiburg
Tim von Lindenau zeigt, was der Öffentlichkeit bisher verborgen blieb ...



Grafik: andwarafos/kreativwerkstatt
 
    
 
Der Wuppi


Gerüchte über einen Pfadfinderstamm im bergischen Land

Eines stürmischen Sonntags bekam ich einen Brief von einem merkwürdigen Wesen der Gattung Wuppi, welche anscheinend wenig über sich Selbst zu wissen scheint - das schloss ich zumindest daraus, dass es mich darum bat, mal etwas über die Seinen zu schreiben.
Nun, wie ich bei meinen Recherchen herausfand, ist dieses Wesen, welches mich anschrieb, sogar so etwas wie der König der Wuppis, beziehungsweise der König einer den Wuppis übergeordneten Gattung, den sogenannten Pfadis! Pfadis gehören zu der Familie der Menschen und fallen in erster Linie durch ihre gemeinschaftliche Freundschaft auf und sind an einer auffälligen Kennzeichnung ihrer äußerlichen Erscheinung auszumachen. Sie sind vor allem an der kakifarbenen Oberkörperzeichnung zu erkennen, welche von einer je nach Alter orange-, blau- oder bordeaux - farbenen Ringzeichnung um Brust und Hals in Erscheinung tritt. Bei kaum einem anderen Lebewesen gibt es solche komplexen Farbwechsel, die durch das Reifen in der Gemeinschaft zu verzeichnen sind. Auch beeindruckend sind die kleineren Unterschiede der Zeichnung an den Oberarmen, welche die Gemeinschaften wiederum von einander unterscheiden. Bei einer Gattung könnte man auf ein Tier schließen, welches in Löwenform auf einem Strohbündel ein Grillrost in der Pranke hält, was eine Frage der Interpretation ist! Die Pfadis, welche sich mit einer solchen Zeichnung schmücken nennt man Wuppis.

Woher kommt wohl dieser  auffällige Name? Wuppi - ... ? Häufig trifft man diese Wuppis in einem Tal im bergischen Land an, durch welches sich ein Fluss schlängelt, den man weitgehend Wupper nennt - was wahrscheinlich in direktem Zusammenhang mit dem Namen dieser in schwarzen Stoffpyramiden lebenden Wesen steht. Diese schwarzen Stoffpyramiden gibt es in vielerlei Ausführungen. Bei schlechtem Wetter und niedrigen Temperaturen tritt aus einer Öffnung an der Spitze der mobilen Unterkünfte Rauch aus. Dieses Phänomen ist jedoch noch unerforscht, weil sich bisher kein Wissenschaftler hinein wagte, da oft lautes Gesinge aus ihrem Innersten dringt und ein strenger Geruch den Neugierigen dazu bewegt schnell das Weite zu suchen. 
Wuppis sind ständig unterwegs, was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass eine Wiese, auf der sie ihre schwarzen Stoffpyramiden aufstellen, nach längerer Zeit des sogenannten Zeltens nicht mehr zu gebrauchen ist. Sie hinterlassen einen Haufen Matsch! So ziehen sie weiter durchs Land, durch die Zeit, und hinterlassen trotz lautem Gesang und natürlicher Verwüstung durch grobe Stiefel einen schwer loszuwerdenden Hauch von Romantik, der manchmal auf den Menschen überspringt, was zur Folge hat, dass sich dessen Oberkörper Kakifarben verfärbt und er nach kurzer Zeit für die gängige Gesellschaft der Menschen nicht mehr zu gebrauchen ist. Wer einmal in ihren Zelten verweilte, so sagt man, fühlt sich zumindest in seinen Gedanken immer wieder dorthin zurück gezogen.
Ein Mal im Jahr treffen sich alle Pfadis aus den germanischen Landen zu einem großen Zelten
(Freiburgkultur '07), um gemeinsam über mehrere Tage oder Wochen eine riesige Wiese zu vermatschen und die Menschen in unmittelbarer Umgebung mit ihren Gesängen zu betören. Wie in einem überdimensionalen Mosaik wuseln sie wild durcheinander und versammeln sich in den größten Stoffpyramiden, die uns Forscher je erschreckten – diese verschlingen Unmengen von Holz, Rotwein, Konservendosen und Waldesruhe. Ein Schauspiel bei dem man, sollte man Augenzeuge werden, unbedingt auf seine Oberkörperfarbe acht geben sollte – Vorsicht ist hier angebracht!
Gerüchte besagen, das Wuppis untereinander viel Zeit mit Kreativität verbringen. Sie stärken die Gemeinschaft und trainieren unentwegt das laute Singen und Wiesenmatschen. Zwischendurch legen sie ungeheure Strecken zurück und lassen sich weder durch Wind noch durch Kälte oder Regen die Laune vermiesen (vielleicht häng das mit den lustigen Liedern zusammen).
Aber sie haben auch menschliche Züge – nach den abenteuerlichen Fahrten waschen sie den Matsch der unzähligen Wiesen unter einer Dusche mit heißem Wasser ab!


Tim von Lindenau

Foto: Stamm Graf Luckner