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Was man über alten Jahrgangswein wissen sollte Wenn sie einen alten Wein erstanden haben, lassen sie ihn erst einmal, wie auch einen jungen Wein, etwas ruhen und bringen sie ihn dann auf eine gute Trinktemperatur. Öffnen sie den Korken behutsam! Er könnte schon brüchig sein ... Alten Wein dekantieren? Bei altem Wein kann man schlecht sagen ob man ihn dekantieren sollte oder nicht. Ich würde sagen, es kommt ganz auf ihren Geschmack an. Sind sie ein Neueinsteiger, so trinken sie den Wein erst einmal aus der Flasche - das heißt natürlich: aus der Flasche in ein Glas! Der besondere Geschmack alter Weine kann für einen Neueinsteiger gewöhnungsbedürftig sein und kann sich beim Dekantieren verstärken. Ist der Wein noch genießbar? Sind sie unschlüssig ob der Wein noch genießbar ist? Das lässt sich leicht herausfinden: Wenn ein Wein nicht mehr genießbar ist, fällt Ihnen das eventuell. schon auf, wenn sie ihn genauer durch das Licht betrachten. Mancher Rotwein, der umkippte wird zu einer trüben Brühe in der feine Teilchen schweben. (Nicht mit Depotlagerungen und Weinstein zu verwechseln!) Am besten Sie probieren den Wein - keine Angst wenn er verdorben ist merken sie das gleich - spucken sie ihn dann einfach wieder aus. Essig gehört in den Salat, aber nicht in ein Weinglas! Was ist an altem Wein besonders? Wein entfaltet über die Jahre sein volles Aroma, welches in jungen Jahren oft durch die Säure des Weines verdeckt wird. Lassen sie ihn sich auf der Zunge zergehen und lehnen sie sich zurück. Ein Wein wird durch die Alterung immer lieblicher und bekömmlicher - das ist wie mit gutem Käse. Manch ein Weißer wird zu goldenem flüssigen Honig, manch ein Roter kann den Weinfreund verzaubern. Lagerfähigkeit Manche behaupten nur roter Wein sei zum lagern geeignet, oder es gäbe billige Weine, die man nicht lagern könne. Beides ist falsch. Weißer Wein eignet sich besonders gut zum Lagern und ob es nun ein Süßwein ist, oder ein billiger aus dem Supermarkt - die Lagerfähigkeit erweist sich erst im Alter. Ich habe zum lagern empfohlene Weine getrunken, die waren trotz perfekter Lagerung ungenießbar - ebenso trank ich einfache Weine, die nach fünfzig Jahren noch weitere fünfzig Jahre reifen konnten. Es gibt keine Gesetze zur Trinkbarkeit und Lagerung - es gibt viele Einflüsse die einerseits gut und anderseits schlecht sind. Daher: Probieren geht über Studieren!
Alte Korken entfernen Wenn ein Korken schimmelt, bröselt, bricht, von Schädlingen befallen ist oder undicht wird, wird es für den Wein gefährlich. Wichtig ist das der Weinkeller nicht zu trocken ist, dass die Temperatur unter 16 Grad Celsius liegt und dass die Korken ab und an überprüft wird. Doch was tun, wenn trotz aller Vorsicht dann doch einmal der Korken angegriffen wird? Ein Korken hat natürlich, wie alles andere auch, nur eine begrenzte Haltbarkeit. Selbst bei den schlechtesten Korken bleibt der Wein oft unbeschadet, auch wenn man den Wein schon riechen kann. Die Lebensdauer eines Korkens hängt von verschiedenen Umständen ab. Trockenheit und Wärme mag ein Korken garnicht - oftmals wird er im Keller auch von korkfressenden Schädlingen befallen. In der Regel sollte man den Korken regelmäßig prüfen und alle zehn Jahre wechseln. Schlechter Kork kann auch schon nach wenigen Jahren unbrauchbar werden. Um einen Korken zu prüfen, muss man zunächst die Kapsel entfernen, unter der sich meist die erste Überraschung verbirgt: Oft schimmelt der Korken unter der Kapsel, bzw unter dem Siegelwachs. Das Problem hierbei liegt darin, dass der Korken ständig atmet und ausdünstet. Ist die Kapsel Luftdicht verschlossen, entsteht unter Ihr Schimmel. Das ist aber kein Grund den Wein wegzukippen! In diesem Fall reinigt man den schimmligen Korken unter warmen Wasser mit einer Bürste und wird in den meisten Fällen feststellen, dass dieser bis auf bräunliche Verfärbungen noch in Takt ist. Dann gilt es zunächst den Korken durch den Flaschenhals mit einer Taschenlampe von innen her in Augenschein zu nehmen, um festzustellen, ob der Verfall schon bis in den Flascheninnenraum vorgedrungen ist. Sollte auch dies der Fall sein, ist immer noch nichts verloren – nun sollte man beim entfernen des Korkens allerdings besonders behutsam vorgehen! Durch vorsichtiges eindrehen des Korkenziehers bis zum Ende des Gewindes, (was man sonst nicht tun sollte um den Korken im Inneren der Flasche nicht aufzusprengen) erhält man einen besseren Halt und vermeidet so, dass der Korken beim Entfernen in der Mitte bricht. Nun muss man den Korken möglichst in einem Zug herausziehen, da er bei unentschlossenem Zug zerbrechen könnte. Hat man das Glück auf seiner Seite, ist der Korken unbeschadet entfernt – hat man weniger Glück, zerbricht der Korken und Teile dessen fallen durch den Hals in den Inhalt der Flasche. Auch hier heißt es Ruhe bewahren und den Wein durch ein naturfaser Teesieb in einen Dekanter umfüllen – geschafft! Nun sollte dem Genuss des alten Weines nichts mehr im Wege stehen, sofern er noch genießbar ist. Tim von Lindenau ![]() ![]() Urkultur und Geschichte des Weins Am Anfang war die Rebe – Von der Kreidezeit bis zum ersten Rausch Wenn es um die Ursprünge des Weins geht, so fallen gleich Begriffe wie: Georgien, Antike und Tonkrug. Doch wann wuchs die erste Rebe aus dem Boden? Wie war das, als die erste Traube vom Menschen gefunden und genutzt wurde? Und wann genau hat man angefangen Wein zu keltern? In der Kreidezeit vor ca. 100.000 Jahren, entwickelte sich in den Wäldern der Urzeit eine uns wohl bekannte Pflanze. Im Schatten der großen Bäume prähistorischer Wälder wuchs Vitis - die Rebe, zunächst weit entfernt vom Licht der Sonne. Sie kletterte die Stämme Ihrer entfernten Verwandten hinauf, auf der Suche nach dem wärmenden Sonnenschein, welcher ihr, in den Kronen der Bäume, zu süßen und nahrhaften Trauben verhalf. Wo die Temperaturen es zuließen, schaffte sie es bis in schwindelnde Höhen um ihre Früchte im Sonnenlicht reifen zu lassen. In kühleren Regionen nutzte sie (in tiefer liegenden Wuchsschichten) die durch Reflektion entstandene Erdwärme, um auf diese Weise ihr Fruchfleisch mit dem beliebten Zucker zu versorgen. Der Verzehr der Trauben durch Tiere, sicherte ihren Fortbestand und die weitläufige Verbreitung. Ungefähr zur gleichen Zeit wie Vitis, tauchte auch Trigona Prisca auf – die uns heute bekannte Biene. Vor den Bienen übernahmen vor allem urzeitliche Käfer die Bestäubung der Pflanzen ... „Das war also die Zeit, in der alles seinen Anfang nahm“ - beginnt der Weinfreund zu schwärmen. Doch am Anfang der Geschichte des Weins steht vor allem die Spekulation durch wenige Funde. Die Archäologie steht auch heute, trotz moderner Methoden und komplexen Analysen, erst am Anfang des Wissens, welches oftmals falsch eingeschätzt wird. Schon in den Schulbüchern der älteren Generationen fanden sich Verweise auf ganze Bibliotheken, doch die eigentliche Wahrheit der Geschichte bleibt auch heute noch den meisten Forschern verschlossen. Das zeigen uns die vielen Funde, welche unvorsichtigen Wissenschaftlern der letzten Generation die Karriere vermasselten, da die ein oder andere Behauptung doch nicht der Wahrheit entsprach. Man weiß recht wenig über die Kultur der Dinge, und alle paar Jahre müssen Zeitskalen neu justiert werden, da man immer tiefer gräbt und ständig neue Entdeckungen macht, die auf Kulturen blicken lassen, welche weiter in die Zeit zurückreichen, als man es bislang für möglich hielt. Diese Tatsache also vorweg, bevor wir uns der Geschichte des Weins bewusst werden wollen. Als die Jäger und Sammler auf die erste Weinrebe stießen, machten Sie eine wahrlich große Entdeckung. Man muss sich vorstellen, dass die erste Traube am Waldboden unter einem großen Baum gefunden wurde. Die im Spätsommer reifenden Früchte fielen aus den Kronen herab und wurden so zum gefundenen Fressen für Mensch und Tier. Das Fruchtfleisch ihrer Trauben war äußerst schmackhaft und lieferte wertvolle Nährstoffe. Die Kerne versorgten den Menschen später mit Öl und das Gehölz diente dem Feuer. Dank der wohlschmeckenden Früchte der Rebe, konnte sie sich ohne weiteren Aufwand wunderbar ausbreiten, da Mensch und Tier ihre Samen nicht nur durch stetiges Umher streifen und gelegentliches Geschäfte erledigen verteilten, sondern auch den Nährboden für die jungen Keimlinge in Form von Exkrementen gleich mitlieferten. Rund 70.000 Jahre nutzte man den Wein vom Fund in den Mund, bis man begann die Pflanze zu kultivieren. Mit Beginn des Neolitikums, vor ca. 11.000 Jahren, kamen dann die ersten Menschen auf die Idee den Wein gezielt anzubauen. Die ältesten Funde kultivierten Weins fand man bislang auf der eurasischen Platte in Afghanistan (6000 Jahre v.Chr.), wo man anhand von Siedlungsdichte und örtlichen Samenfunden die Wiege des Weinbaus bestimmte. (Ob das wirklich der Ursprung der Winzer war, erfahren wir wohl erst in ferner Zukunft, sollten sich diese Funde als Älteste behaupten). Im südlichen Georgien, im Irak, sowie in China und neuerdings auch im schweizerischen Walis, geht man ebenfalls von der Urzucht der Reben aus. Um an dieses Wissen zu gelangen, analysieren Wissenschaftler weltweit Bodenproben, um Pollenrückstände und Samen in den Erdschichten der vergangenen Epochen ausfindig zu machen. Auf diese Weise können sie recht ausführlich die Flora längst vergangener Zeiten bestimmen und einen Einblick in frühe Pflanzenwelten ermöglichen. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass bestimmte Materialien ab einem gewissen Alter, durch natürliche Verrottung, oder durch Umwelteinflüsse in ihrer Zeit, gar nicht mehr existieren. Vielleicht gibt es daher noch viel ältere Geschichten der Urzeit, von denen man keine Überbleibsel mehr findet. Laut Dr. Volker Joerger vom staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg, ist es wohl 6-7.000 Jahre her, dass der erste Unfall mit der zur Gärung neigenden Traube geschah. Dies belegen Funde aus eben dieser Zeit, welche auf kontrollierte Gährprozesse hinweisen. Wie man ja weiß, gärt die Traube, bevor sie sich der Verrottung hingibt – weshalb diese Frucht so sehr geschätzt wird. Wie muss es dem ersten Menschen ergangen sein, als er das alkoholische Fruchfleisch zu sich nahm und wenige Momente später, da er ja nicht wusste wie ihm geschah, um seine Gesundheit bangte? (Man darf nicht vergessen, dass das Wissen um verschiedene Dinge noch in den Kinderschuhen steckte, und das es lebensgefährlich war Unbekanntes zu probieren). Als der arme Kerl, der mit seinem ersten Weinrausch kämpfte, wieder nüchtern wurde und anschließend seine Erlebnisse schilderte, war die Nutzung von Vitis Vinifera besiegelt. Die Spekulationen des Anfangs des frühen Weinkelterns, berufen sich auf Funde, welche von großen Samen mengen und speziellen Gefäßen, die gefunden wurden, abhängen. Wie schon oben benannt, beweist das allerdings nicht, ob das tatsächlich die Zeit des ersten Kelterns umfasst. Wahrscheinlich (in Anbetracht der langen Zeit in der Weintrauben schon gesammelt wurden), wurde der Gärprozess bereits viel früher entdeckt. Wenn man große Mengen Trauben sammelt, so kommt es selbstverständlich vor, dass ein Teil davon zu Gären beginnt. Der verführerische süße Duft, den so eine Traube von sich gibt, hat bestimmt schon vorher Menschen, wie auch Tiere zum Naschen verleitet. Vielleicht hat man ja schon vor 80.000 Jahren Weintrauben in Blätter eingewickelt, zum Gären gebracht und - vielleicht war das der Anfang von Wein, Weib und Gesang ... Beim nächsten Mal vertiefen wir uns in die Ursprünge des ersten kultivierten Weinbaus bis zur Antike.
Das Geheimnis der Jungsteinzeit – Wer waren die Ersten Winzer? Die Anfänge der frühen Weinkultur lassen immer noch viele Fragen offen. Zwar kann man anhand verschiedener Funde schon eine Menge über die ersten Winzer sagen, doch in Anbetracht der weltweit verstreuten Ursprünge verliert man leicht den Überblick. Schweizer, Ägypter, Kaukasen, Griechen, Chinesen – sie alle trugen zum Ursprung der Weinkultur bei. Aber wer hat den ersten Wein gekeltert? Trotz des nur stichprobenartig von der Forschung zusammengetragenen (und daher lückenhaften) Wissens über die Ursprünge des kultivierten Weinanbaus, ist die Fülle von Informationen zu diesem Thema kaum zu überblicken. In regelmäßigen Abständen werden Thesen gestürzt und neue erbaut, während die Zeit, in der der Weinbau begonnen haben soll, immer weiter in die Vergangenheit zurückwandert. Um dem wahren Ursprung im Gewirr der Spekulationen näherzukommen, muss man zunächst die archäologischen Fakten betrachten. Die neuesten Schlagzeilen machen derzeit die Schweizer: Im Wallis wurden anhand von Pollenfunden wilde Reben aus einer Zeit von vor 9000 Jahren nachgewiesen. Leider wurden die in den Schlagzeilen direkt mit dem Weinbau in Verbindung gebracht, der allerdings nur bis 800 v.Chr. zurückzuverfolgen ist (wenigstens haben die Schweizer somit den Wein kultiviert, bevor die Römer mit der gleichen Idee über die Alpen kamen, was manchen Schweizer Weinfreund erfreuen dürfte). Allerdings haben wir es hier wieder mit dem üblichen Problem zu tun, welches den Weinbau vom kultivierten Anpflanzen abhängig macht. Nur weil man vor 800 v.Chr. keine kultivierten Weinberge im Wallis besaß. bzw man diese bislang nicht nachweisen konnte, heißt das noch nicht, dass es vor dieser Zeit in der Schweiz noch keinen Wein gab. Das Sediment des Lac du Mont d'Orge oberhalb von Sion brachte jedenfalls die aktuelle Erkenntnis über den frühen Weinbau im Wallis zu Tage. Die Schweiz darf sich also dank der Archäobotanikerin Dr. Lucia Wick zu jenen zählen, die mit auf der offiziellen Liste der Urwinzer stehen. Die alten Griechen waren den Schweizern allerdings Längen voraus. Hier waren es die Minoer, die auf Kreta den ersten Wein anbauten. Schon im Jahre 2400 v.Chr. gab es in Griechenland gesetzliche Vorschriften zum Weinbau, die bei Missachtung unter Strafe verfolgt wurden. Jede Amphore wurde gestempelt, versteuert und die Herstellung des Weins wurde genau festgelegt. Dies diente neben dem Füllen der Staatskassen auch der hohen Qualität des Weines, die Vorbild für den Weinbau in aller Welt werden sollte. Man veredelte die Reben, entwickelte nach der Sonne und dem Wind ausgerichtete Spaliersysteme und konservierte den Wein, indem man die Tongefäße, in die er gefüllt wurde, mit Harz ausstrich. Auch der deutsche Weinbau findet seine Ursprünge auf Kreta, da die Römer das Wissen um den Weinbau der Griechen, fast dreitausend Jahre später an Rhein und Mosel einsetzten. Auch bei den alten Griechen gilt: der tatsächliche Ursprung des Kelterns wurde bislang nicht nachgewiesen. Wenn es schon 2400 v.Chr. Gesetze zum Weinbau gab, kann man sich sehr gut vorstellen, dass der kultivierte Weinbau dort schon wesentlich älter war. Und damit kommen die Griechen den Georgiern recht nahe, die ungefähr zur gleichen Zeit den Anbau der Reben professionell betrieben. Viele Schriften besagen jedenfalls, dass die Georgier bereits vor den Griechen den Weinbau kultivierten und dieser sich über den heutigen Irak bis nach Griechenland ausbreitete. In dem Fall wundert man sich allerdings, das der erste Weinbau in Griechenland auf Kreta stattgefunden haben soll und nicht im Landesinneren. Fakt bleibt, dass die ältesten Spuren georgischer Reben auf 3000 v.Chr. datiert wurden. Vergleichbare aussagekräftige Bodenproben aus Griechenland sind nicht bekannt, was also ein eindeutiges Urteil im Rennen um den ersten Weinbau zwischen Georgien und Griechenland unmöglich macht. Hier
noch einmal eine Zusammenfassung, bevor es an den zweiten Teil dieses
Artikels geht: Die Griechen entwickelten bereits 2400 v.Chr. ein komplexes System um den Weinbau, welches in Form von Reinheit, Anbau, Veredelung, Gesetzen und Steuern bis heute als Vorbild dient. Die Georgier sind mit 5000-jähriger Geschichte die angeblich ersten europäischen Winzer. Allerdings gibt es aus Griechenland anscheinend keine Vergleichsproben der dortigen Böden.
Im alten Ägypten soll laut alter Hieroglyhentafeln der Weinbau ganze 6000 Jahre alt sein. Die mitunter frühesten Funde stammen aus der ersten Dynastie um 3100 v.Chr. Im ägyptischen Museum in Berlin befindet sich ein Weinkrug aus dieser Zeit - auch unzählige Lehmpfropfen fand man, mit denen die einfachen Weinamphoren versiegelt wurden. Unter der Stufenpyramide von Sakkara ließ sich Pharao Djoser in der so genannten Djoser Pyramide um 2800 v. Chr. einen Weinkeller und entsprechende Magazinräume erbauen. Von da an fand man in den Grabmälern der großen Herrscher Weinkrüge. Zu Unrecht behauptet die Bibel, das die alten Ägypter den Weinbau nicht kannten, was vordynastische Darstellungen allerdings widerlegen. In dieser Zeit kannte man dort bereits acht Weinsorten. Weit später exportierte Ägypten große Mengen Wein nach Rom und wurde somit stiller Mitbegründer des heutigen Weinbaus, welchen die Römer in ihren Herrschaftsgebieten kultivierten. Die archäologischen Funde des ägyptischen Weinbaus sind also wesentlich älter als die aktuellen Griechischen. In Afghanistan allerdings, auf der eurasischen Platte, hat man laut Dr. Volker Joerger vom staatlichen Weinbauinstitut in Freiburg, kultivierten Weinbau nachgewiesen, der mittlerweile 8.000 bis 10.000 Jahre alt ist. Das macht dem Mythos vom georgischen Wein als ältesten der Geschichte den Gar aus. Leider finden sich keine genauen Angaben, um die afghanische Geschichte des Weinbaus hier näher zu erläutern. Nur, das nachweislich aus den gefundenen afghanischen Rebkernen auch Traubenkernöl gewonnen wurde. Man kann also gespannt sein, was die Archäologie weiteres zu Tage trägt. Auch die Afghanen stehen nicht konkurrenzlos zwischen ihren Rebstöcken. Im Norden Chinas, in der Provinz Henan, fand man Gefäße in denen gegorener Traubensaft nachgewiesen wurde, der Sage und Schreibe 9.000 Jahre alt ist. Also lange bevor die Ägypter ihr Reich erbauten, die Griechen den Ursprung für die heutige Weinwirtschaft erdachten und die Georgier den angeblich ersten Wein kelterten, bereiteten die alten Chinesen das Getränk, welches uns noch heute berauscht. Doch damit nicht genug: In dreitausend Jahre alten bronzenen Gefäßen einer chinesischen Grabbeigabe befindet sich der wohl älteste noch erhaltene Wein der Welt! Bei Proben entnahmen bemerkte ein Wissenschaftler, der darin enthaltene Wein sei wohlriechend ... Da schlägt das Herz des Weinliebhabers höher – die Vorstellung, einen über dreitausend Jahre alten Wein verköstigen zu dürfen, sprengt wohl alles, was in verschütteten mittelalterlichen Weinkellern verborgen liegen könnte. Der ursprüngliche Chinesische Wein bestand nicht ausnahmslos aus Weintrauben: Auch verschiedene Wildfrüchte, Kräuter und Reis waren Bestandteil des frühen chinesischen Weins. Sind nach diesem Wissen die ersten Winzer zu ermitteln? Das ist schwer zu sagen. Die archäologischen Funde beruhen auf stichprobenhaltiger Forschung, die sich erst in ferner Zukunft bewahrheiten wird – wenn überhaupt. Die alten Griechen haben sich den Ruf der ersten Winzer zumindest darin verdient, da sie den Weinbau ausschlaggebend für die Nachwelt kultivierten. Ihnen ist grundlegend zu verdanken, was den Wein in heutiger Zeit ausmacht. Jedoch weit vor den Ägyptern und sogar weit vor den Chinesen haben Völker und Stämme die Weintraube gesammelt und auf verschiedene Weise genutzt, was mit Sicherheit auch zu ungeplanten Gärprozessen führte. Erst die Kultivierung rund um den Wein und die damit verbundenen Spuren jener Völker, die sich dem Weinbau intensiv widmeten, führten zu archäologischen Funden die uns heute auf die Ursprünge des Weinbaus blicken lassen. In Anbetracht der neuesten archäologischen Entwicklung, immer tiefer zu graben und durch neueste Technologien immer bessere Einblicke zu bekommen, sollten wir nicht zu sehr an den aktuellen Fakten festhalten. Viele der hier aufgezählten Informationen sind kaum ein paar Jahre alt. Mittlerweile weisen immer mehr Funde auf frühe Kulturen hin, die durch ihre Komplexität und ihre hohe Entwicklung vor wenigen Jahren noch garnicht denkbar gewesen wären. Geht man von dieser Hochrechnung aus, welche die meisten Geschichtsforscher im zwanzigsten Jahrhundert für undenkbar hielten, können wir damit rechnen, dass in wenigen Jahren Funde ans Licht kommen, die vielleicht sogar einen kultivierten Weinbau vor 15.000 Jahren oder früher belegen. Fest steht, das die Chinesen und Afghanen bis dahin das Rennen für sich beanspruchen – die ersten Winzer der Welt gewesen zu sein. ![]() |